Heute traf ich T. das erste Mal. Ich wartete am vereinbarten Treffpunkt und versuchte mir jemanden vorzustellen, Afrikanistik studiere er, hieß es in einer knappen Nachricht, die er einige Tange zuvor an mich schrieb. Schon von weitem erkannte ich ihn auf der Stelle, auch wenn er klein, im grauen Mantel und scheu im Leib eines Jungen, genau das Gegenteil von dem war, was ich zuvor im Café suchte und mit zaghaften Blicken dem einen oder anderen zuschrieb. Sehr unsicher gab er mir seine Hand und suchte daraufhin zögernd einen Platz mit zwei Stühlen in der Mitte des Cafés aus. Wir setzten uns und er wies mich gleich daraufhin, an der Theke bestellen zu müssen. Wir warteten gemeinsam und berieten uns über die Bestellung – zwei große Kaffee. Ich gab die Bestellung auf, weil ich bemerkt hatte wie scheu er war und sich nach einem ersten Versuch nicht so recht traute, einen zweiten zu wagen. Seine Stimme ist sehr zart und dem forschen Lehrling an der Theke fremd. Mit den zwei Pott Kaffee, für den ich mich fast schämte, wässrig und gefüllt bis zum Rande, setzen wir uns an den Tisch und begannen zu sprechen: In allem wovon er sprach und mir berichtete, zurückhaltend und bescheiden, erkannte ich eine heimliche Sehnsucht, etwas in das ich mich insgeheim wünsche und worum ich ihn zu tiefst beneide – etwas, dass sich in der Antwort auf meine tollpatschige Frage, ob er viele Freunde hier habe und schon ausgegangen sei, nur noch bestätigte und eine Pointe in seinem Vorhaben nach unserem Treffen – an einem Sonntag Nachmittag, und einer herzlichen Verabschiedung mit der Freude auf ein Wiedersehen – fand: „Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von Zuhause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben“.




















