ACH FREUND, GEHT ES DIR NICHT AUCH SO?
ich kann nur lieben
was ich die Freiheit habe
auch zu verlassen:
dieses Land
diese Stadt
diese Frau
dieses Leben
Eben darum lieben ja
wenige ein Land
manche eine Stadt
viele eine Frau
aber alle das Leben.

ACH FREUND, GEHT ES DIR NICHT AUCH SO?
ich kann nur lieben
was ich die Freiheit habe
auch zu verlassen:
dieses Land
diese Stadt
diese Frau
dieses Leben
Eben darum lieben ja
wenige ein Land
manche eine Stadt
viele eine Frau
aber alle das Leben.

Heute traf ich T. das erste Mal. Ich wartete am vereinbarten Treffpunkt und versuchte mir jemanden vorzustellen, Afrikanistik studiere er, hieß es in einer knappen Nachricht, die er einige Tange zuvor an mich schrieb. Schon von weitem erkannte ich ihn auf der Stelle, auch wenn er klein, im grauen Mantel und scheu im Leib eines Jungen, genau das Gegenteil von dem war, was ich zuvor im Café suchte und mit zaghaften Blicken dem einen oder anderen zuschrieb. Sehr unsicher gab er mir seine Hand und suchte daraufhin zögernd einen Platz mit zwei Stühlen in der Mitte des Cafés aus. Wir setzten uns und er wies mich gleich daraufhin, an der Theke bestellen zu müssen. Wir warteten gemeinsam und berieten uns über die Bestellung – zwei große Kaffee. Ich gab die Bestellung auf, weil ich bemerkt hatte wie scheu er war und sich nach einem ersten Versuch nicht so recht traute, einen zweiten zu wagen. Seine Stimme ist sehr zart und dem forschen Lehrling an der Theke fremd. Mit den zwei Pott Kaffee, für den ich mich fast schämte, wässrig und gefüllt bis zum Rande, setzen wir uns an den Tisch und begannen zu sprechen: In allem wovon er sprach und mir berichtete, zurückhaltend und bescheiden, erkannte ich eine heimliche Sehnsucht, etwas in das ich mich insgeheim wünsche und worum ich ihn zu tiefst beneide – etwas, dass sich in der Antwort auf meine tollpatschige Frage, ob er viele Freunde hier habe und schon ausgegangen sei, nur noch bestätigte und eine Pointe in seinem Vorhaben nach unserem Treffen – an einem Sonntag Nachmittag, und einer herzlichen Verabschiedung mit der Freude auf ein Wiedersehen – fand: „Als mein fünfzehnter Geburtstag gekommen war, ging ich von Zuhause fort, um in einer fernen, fremden Stadt in einem Winkel einer kleinen Bibliothek zu leben“.
“Einer der ersten Sätze, die mir Kenneth Hujer nach seiner Ankunft in Rom vor gut einem Jahr schrieb, war: “Habe ich mich in Berlin zuletzt unter eigenen Trümmern begraben, mit Rom stehe ich im monströsesten Trümmerhaufen abendländischer Geschichte. Keine Ahnung, wie ich mich hier einmal in meiner Gegenwart sinnvoll einrichten soll, wenn doch alles um mich herum bereits vergangen ist. Jetzt aber muss ich fix weiter: endlich eine Wohnung finden.”
Einige Wochen später drückt man ihm eine Kamera in die Hand, mit der er seitdem seine Blicke ablichtet. Mir scheint, als habe ihm die Fotografie darin das beschert, was er zuvor vehement anzweifelte: sich in seiner Gegenwart einzurichten. Zwischen wöchentlicher Vorfreude auf die entwickelten Abzüge und zurückblickendem Staunen entstand die Absicht, das Vergangene in die Zukunft zu retten.”
(Elouise von Rehe)
Katalogbestellung direkt beim Verlag: info@altroieri.com
Wir lebten auf einem riesigen Schiff. Es gab unzählige Räume, unter anderen einen großen Tanzsaal, welchen ein marmorner Fußboden zierte. Zu jeder Zeit spielte hier ein Musikant auf einem ungewöhnlichen Instrument. Im gleichen Raum gab es eine Ausstellung mit verschiedenen Skulpturen. Eines Nachts tanzten wir heimlich zur Musik des Musikanten auf und ab; das Geräusch unserer Schuhsolen schallte durch den Raum und das Schiff schaukelte zart im Wasser. Aus Versehen stieß ich gegen eine der Skulpturen, die daraufhin etwas verrutschte und sodann einen Alarm auslöste. Einer der Wachmänner eilte herbei. Du aber hast Aufsehen erregende Gebärden gemacht, um vom eigentlichen Geschehen abzulenken. Immerzu war ein dritter Mann neben uns, an den ich mich kaum erinnere.
Ich war in Rom und wusste, dass es meine Stadt ist. Als ich aus einem tiefen Schlaf erwachte, war es zwei Uhr in der Nacht. Neben mir stand ein Mann mit Kind an der Hand, um uns herum tummelten sich vereinzelt kleine Gruppen junger Menschen. Ich hörte sehr leise, zaghafte Gespräche über eine Filmvorstellung, die in wenigen Augenblicken beginnen sollte. Auf einmal – der Junge hinter seinem Vater – verschwanden sie.
Das Licht war einmalig und fremd auf diesem Hügel und von fern: Stimmen aus dem Fernsehapparat.
Das laufen wurde zum Laufen
und nur noch das Schütteln der Köpfe
all der Fratzen im Takt
beim überqueren roter Ampeln
Stillgestanden, Marsch





Lugano, Dal Traforo, Via Delle Coppelle, La Solitudine Dei Numero Primo, Occhinero, Vincenzo Selecolor, Via Latina, Via Latina 94, Via Di Porta Castello 5, Via Delle Chiesa Nuova, Stazione Termini, La Feltrinelli, Largo Argentina, Via Della Croce, Via Masaccio, Ponte Lungo, Anti Forfora, Via Giulia, Spagna, Casino
Der Boden auf dem ich ging, ausgedörrt und öde von der Kälte, glich immer mehr (von Schritt zu Schritt) dem unsäglichen Geräusch von kratzenden Fingernägeln auf einer Schiefertafel.
Im Bus setzte ich mich nicht ganz nach vorn, wo niemand saß, sondern hinten auf die leere Sitzbank zwischen zwei Personen - vor und hinter mir.
“Pferderennen findet nicht statt - Gelände ist nach wie vor zu sumpfig”
Dieser Tag erschien mir als mathematische Formel deren Lösung an jeder Straßenecke:
- verraten wird
- verhökert wird
- zu hören ist
- geschrieben steht
Auf dem Weg zurück im Bus, saß keiner und niemand
Innenraumthermometer - durch jedes Fenster des 1.Stockwerks zu sehen
Innen und Außen simultan
